Was bringen Tierversuche in der Corona-Forschung? | MDR.DE

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Was bringen Tierversuche in der Corona-Forschung? | MDR.DE


Man weiß nicht genau wo und wie es passiert ist, aber die Erbinformation des neuen Coronavirus Sars-CoV-2 legt nahe: Der Krankheitserreger stammt aus dem Tierreich. „Das Virus ist eng verwandt mit den Coronaviren bei Fledermäusen“, sagt Thomas Mettenleiter, Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts, der zentralen Einrichtung der Bundesrepublik für die Gesundheit von Tieren.

Schon allein deshalb interessiert sich die Forschung dafür, wie sich die Viren bei verschiedenen Tieren verhalten. Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) erforscht das in seinen Hochsicherheitslaboren auf der Ostseeinsel Riems. Und die Wissenschaftler wollen auch wissen: Bei welchen Tieren verläuft die Krankheit ähnlich wie beim Menschen? Solche Tiere sollen dann helfen, Impfstoffe und Medikamente gegen Covid-19 zu finden und so die Coronakrise zu beenden.

Vektorimpfstoffe: Versuche mit Frettchen

Denn für eine Frage seien Tiermodelle bislang unverzichtbar: Wie effektiv ist die Schutzwirkung eines bestimmten Impfstoffs? Wie stark wird die Virenlast reduziert bei geimpften gegenüber nicht geimpften Tieren? “Um solche Schutzkorrelate zu etablieren, sind Tierversuche intestine geeignet”, sagt Mettenleiter. Sein eigenes Institut testet derzeit einen sogenannten Vektorimpfstoff an Frettchen. Dabei wird ein harmloses Virus so verändert, dass infizierte menschliche Zellen ein Corona-Antigen produzieren, auf das dann das Immunsystem anspringt. Erste Ergebnisse dieser Forschung sollen bald präsentiert werden.

An Frettchen wird deshalb geforscht, weil bekannt ist, dass sie sich anstecken und das Virus übertragen können. Nutztiere wie Schweine und Hühner können das nicht, das zeigen die Versuche am FLI. Noch besser als Tiermodell geeignet sind die syrischen Goldhamster. Diese Nager bekommen sogar eine leichte Lungenentzündung und haben damit einen ähnlichen Krankheitsverlauf wie Menschen. Als potenzielle Überträger von Corona sind Tiere bislang allerdings unverdächtig. Zwar ist bekannt, dass Katzen Corona übertragen können, nachgewiesene Fälle, in denen ein Tier für Ansteckungen bei Menschen gesorgt hat, seien bislang allerdings nicht bekannt, sagt Mettenleiter.

Hamster zeigen ähnliche Symptome wie Menschen

Bevor ein neuer Wirkstoff am Menschen getestet werden darf – Forscher sprechen hier von „first-in-men“ Versuchen – muss seine grundsätzliche Sicherheit festgestellt werden. An Tieren probieren Wissenschaftler aus, ob der Stoff Schäden an den Organen verursacht. Wie wird ein Stoff im Körper verteilt und welche Reaktionen ruft er darin hervor? „Hamster sind hier das Modell der Wahl, weil sie ähnliche Symptome wie Menschen zeigen“, sagt Paul Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), das in Deutschland für die Zulassung neuer Medikamente zuständig ist. Auch bestimmte Affenarten können als Tiermodell dienen. Das absolut passende Tiermodell für die Coronaforschung sei allerdings noch nicht gefunden worden, so Cichutek.

Weltweit gebe es grundsätzlich zwei Ansätze in der Impfstoffforschung, sagt der PEI-Chef. Einerseits würden spezifische Impfstoffe gegen Sars-CoV-2 entwickelt, andererseits unspezifische, die das Immunsystem so stimulieren, dass es auch Corona abwehren kann. Außerdem werde an verschiedenen Medikamenten geforscht, die das Virus im Körper abwehren oder neutralisieren sollen. Dazu zähle die Therapie mit dem Blutplasma bereits genesener Coronapatienten. Andere Firmen entwickeln monoclonale Antikörper, einerseits um damit das Virus zu neutralisieren, andererseits auch, um eine überschießende Reaktion des Immunsystems zu unterbrechen. In all diesen Fällen müssten Stoffe an zuerst Tieren getestet werden, um Menschen zu schützen, sagt Cichutek.

Weg bis zum Ersatz von Tierversuchen ist langwierig

Auf lange Sicht könnten einige Tierversuche durch Checks in Zellkulturen abgelöst werden. Doch der Weg dahin sei lang, sagt Cichutek. Die Wirksamkeit dieser Ersatztests müsse erst langwierig erprobt und nachgewiesen werden, bevor sie in die behördlichen Genehmigungsverfahren aufgenommen werden könnten.



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