Warum gegen den Pinkpfeil in der Formel 1 protestiert wird – DER SPIEGEL – Sport

Warum gegen den Pinkpfeil in der Formel 1 protestiert wird - DER SPIEGEL - Sport


Am kommenden Sonntag (15.10 Uhr Liveticker SPIEGEL.de; TV: RTL und Sky) wird in Ungarn das dritte Formel-1-Rennen innerhalb von drei Wochen ausgetragen. Hinter Seriensieger Mercedes scheint das Fahrerfeld enger zusammengerückt zu sein, was an Ferraris Schwäche, aber auch an den guten Ergebnissen von McLaren und Racing Level liegt. Das Group mit den pinken Boliden bekommt derzeit so viel Aufmerksamkeit wie noch nie.

Warum ist Racing Level erfolgreich?

So überraschend kommen die guten Ergebnisse nicht. Lance Stroll schied beim ersten Rennen in Österreich aus, beim zweiten holte er als Siebter sechs WM-Punkte. Nummer-Eins-Pilot Sergio Pérez (16 WM-Punkte) fährt bereits seit zehn Jahren in der Formel 1 und hat in vielen Rennen sein Expertise und seine Konstanz unter Beweis gestellt. Racing Level, seit 2018 als Nachfolger von Power India dabei, schafft es wie das Vorgänger-Group mit klugem Administration und effizienter Arbeit andere Traditionsrennställe wie Williams oder Sauber (jetzt Alfa Romeo) hinter sich zu lassen – und liegt derzeit in der WM-Wertung vor Ferrari.

Die Geschichte des Groups geht bis in die Neunzigerjahre zurück. Unter der Leitung des Namensgebers Eddie Jordan nahm der kleine Rennstall an insgesamt 250 Formel-1-Rennen teil und feierte 1999 mit dem dritten WM-Platz von Heinz-Harald Frentzen den größten Erfolg. Es folgten unbedeutende Jahre unter den Namen Midland und Spyker, ehe 2007 der indische Teamchef Vijay Mallya einstieg und Power India gründete. Auf Mallya geht auch die Kooperation mit Mercedes zurück. Racing Level fährt mit Mercedes-Motoren und hat sich auch sonst stark am Silberpfeil orientiert – was nun zum Einspruch von Renault geführt hat.

Warum hat Renault in Österreich Protest eingelegt?

Für das französische Werksteam steht viel auf dem Spiel. Renault ist nun im fünften Jahr in der Formel 1 dabei. Den ehrgeizigen Zielen folgten ernüchternde Ergebnisse, deshalb wurde in den vergangenen Monaten viel über einen Ausstieg aus der Formel 1 spekuliert. Das ist vorerst kein Thema mehr, mit der Verpflichtung von Fernando Alonso für die kommende Saison hat Renault sein Engagement bestätigt. Und es sind Fortschritte zu erkennen, der Renault scheint besser zu laufen als in den Vorjahren. Da kommen die guten Ergebnisse von Racing Level – das Group fährt im Vergleich zum Vorjahr quick eine Sekunde schneller – zur Unzeit.

Worum geht es bei dem Protest?

Seit den Testfahrten in Barcelona in Februar wird im Fahrerlager spekuliert. Wegen der Ähnlichkeit zum Vorjahresauto von Mercedes wird der Racing Level hinter vorgehaltener Hand Pinkpfeil genannt. Spionage ist in der Formel 1 üblich, so detailgetreu hat allerdings noch kein Group kopiert. Deshalb hatte der Motorsport-Weltverband Fia zu Beginn des Jahres eine Untersuchung eingeleitet und den Racing Level im Anschluss als regelkonform eingestuft.

Renault musste sich somit ein spezielles Element heraussuchen, um eine zweite Untersuchung fordern zu können. In der Formel 1 müssen die Groups bestimmte Fahrzeugteile selbst bauen. Dazu gehört auch die nun von Renault beanstandete Bremsbelüftung. Der Vorwurf lautet: In diesem Fall soll nicht auf der Foundation von Fotos kopiert worden sein, hier habe Mercedes durch Daten oder ein konkretes Bauteil geholfen. Deshalb hat die Fia in Österreich das System von Racing Level beschlagnahmt, Mercedes soll sein System des Vorjahres ebenfalls zur Verfügung stellen. Entscheidend dürfte das Innenleben der Bremsbelüftung sein, die auf Fotos nicht zu erkennen ist.

Wieso könnte das Urteil die Formel 1 verändern?

Die Bremsbelüftung ist für Renault Mittel zum Zweck. Es geht um einen Richtungsstreit. Wie weitreichend darf die Kooperation der Toprennställe mit den sogenannten B-Groups sein? Mercedes arbeitet mit Racing Level und Williams zusammen, Ferrari mit Haas und Alfa Romeo und Pink Bull hat mit AlphaTauri ganz offiziell ein Schwesterteam. Renault und McLaren werden so zu Einzelkämpfern, die ihre Erfolgschancen und ihr Geschäftsmodell gefährdet sehen.

Warum heißt Racing Level ab 2021 Aston Martin?

Die entscheidende Individual hinter dem erneuten Namenswechsel ist Lawrence Stroll. Der kanadische Milliardär ist zusammen mit einer Investorengruppe sowohl Besitzer von Racing Level als auch Teilhaber beim britischen Sportwagenbauer. Aston Martin, vor allem durch die James-Bond-Filme bekannt, befand sich vor Strolls Finanzspritze in Schwierigkeiten, die Rückkehr in die Formel 1 soll dem Konzern wieder mehr Öffentlichkeit im Autoweltmarkt verschaffen.

Kann Aston Martin die Formel 1 aufmischen?

Zunächst wird noch sehr viel Racing Level im Aston Martin stecken. Aus Kostengründen hatte die Formel 1 die technischen Regeländerungen in die Saison 2022 verschoben, im kommenden Jahr wird mit den Boliden aus dieser Saison gefahren. Aston Martin wird deshalb ebenfalls auf Mercedes-Motoren setzen. Schnelle Erfolge, sprich Podestplätze oder gar Siege, sind so nicht zu erwarten, dafür ist die Spitze noch zu weit entfernt. Aston Martin wird dank des Racing-Level-Potenzials aber in der Lage sein, das Mittelfeld anzuführen.

Wechselt Sebastian Vettel zu Aston Martin?

Sollte der vierfache Weltmeister entscheiden, auch nächste Saison Formel 1 fahren zu wollen, ist Aston Martin seine letzte Probability – wenn er denn nicht um Platz 15 fahren möchte. Ein Wechsel zu Mercedes oder Pink Bull ist nach den Aussagen der Verantwortlichen auszuschließen. Für Aston Martin ergibt die Personalie Sinn, Sebastian Vettel brächte sehr viel Aufmerksamkeit. Vettel selbst sagte zu Sport1: “Meine Zukunft ist weiterhin offen. Es ist gar nichts entschieden.” Denkbar sind auch ein Jahr Formel-1-Pause oder das Karriereende. Will Vettel wieder um Siege fahren, wird er sich gegen Aston Martin entscheiden müssen.



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