Michel Piccoli gestorben: Nachruf auf den Schauspieler – DER SPIEGEL – Kultur

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Michel Piccoli gestorben: Nachruf auf den Schauspieler - DER SPIEGEL - Kultur


Er verknüpfte auf unbedingt liebenswerte Weise Eleganz und Wurstigkeit. “Die Verachtung” von Jean Luc-Godard battle im Jahr 1963 der Movie, der den damals schon 37-jährigen Michel Piccoli weltberühmt machte. Er spielt einen Drehbuchautor namens Paul, der mit einem schwarzen Hut über der schon damals hohen Stirn durch die römische Filmfabrik Cinecitta und über die Insel Capri schlendert.

Man bewundert ihn dafür, wie lässig er sich, mit locker geknüpfter Krawatte, immer neue Zigaretten anzündet und Gläser kippt. Und man hasst ihn dafür, wie roh und gemein er mit der Frau umgeht, die bis heute viele Kinozuschauer für eine der schönsten der Filmgeschichte halten. Brigitte Bardot und Piccoli sind in “Die Verachtung” ein Paar, das sich küsst und prügelt, weshalb die Frau dem Mann zuflüstert: “Du machst mir Angst.”

Michel Piccoli, der schon am 12. Mai an den Folgen eines Schlaganfalls mit 94 Jahren gestorben ist, battle ein grandioser Monsterdarsteller der französischen Movie- und Theaterwelt. Quick unmittelbar nacheinander spielte er in den Siebzigerjahren einen Großstadtkannibalen in Claude Faraldos “Themroc”, einen dekadenten Freak in Marco Ferreris “Das große Fressen” und einen bizarr frivolen Mörder in Francis Girods “Trio Infernal”.

Es gibt genug Schauspieler, die man wegen solcher Arbeiten für immer aufs Rollenfach des Gruselschurken festgelegt hätte. Piccoli konnte weiter Charmeure, Spaßvögel und draufgängerische Liebhaber verkörpern. Er schien stets ein Geheimnis zu bewahren, sich der Verrücktheit und Verwegenheit seiner Rollen nie ganz auszuliefern. In einem SPIEGEL-Gespräch vor einigen Jahren sagte Piccoli, dass er von dem britischen Theaterregisseur Peter Brook gelernt habe, was den Zauber wirklich großer Schauspieler ausmache: “Sie wissen, was Scham ist.”

Michel Piccoli wuchs in einer Pariser Musikerfamilie auf, seine Mutter battle Pianistin, der Vater Geiger. Sein älterer Bruder starb im Alter von sechs Jahren an einer Hirnhautentzündung. “Ich habe als Form so intestine wie nicht gesprochen. Das wurde erst besser, als ich ungefähr neun Jahre alt battle und Schauspieler werden wollte”, berichtete Piccoli im SPIEGEL-Gespräch. “Eines Tages bekam ich in der Schulaufführung eines Theaterstücks sogar eine Hauptrolle.”

Von 1948 an trat Piccoli mit einigem Erfolg auf Pariser Theaterbühnen auf, in den Fünfzigerjahren battle er im französischen Kino ein viel beschäftigter Nebendarsteller, mal als Polizeikommissar und mal als Nachtclubbesitzer. In Luis Buñuels “Pesthauch des Dschungels” (1956) spielt er einen Pater inmitten von irren Glücksrittern in einer südamerikanischen Militärdiktatur. In den Sechzigern, nach dem späten Durchbruch mit “Die Verachtung”, battle Michel Piccoli als manipulativer Finsterling in Buñuels “Belle De Jour” (mit Catherine Deneuve, 1967) und als Agent in Alfred Hitchcocks “Topas” (1969) bereits der Inbegriff des zwielichtigen, aber quick die ganze Welt verzückenden Verführers.

“Le Roi Piccoli”

Dreimal hat der Schauspieler Piccoli im wirklichen Leben geheiratet, die mittlere seiner Ehefrauen battle von von 1966 bis 1977 die Chansonsängerin Juliette Gréco. Von all seinen Filmpartnerinnen battle für viele Kinozuschauerinnen und Kinozuschauer Romy Schneider die Herzbewegendste. Zwei wunderbare Filme mit den beiden hat der Regisseur Claude Sautet gedreht, “Die Dinge des Lebens” (1970) und “Das Mädchen und der Kommissar” (1971). Im einen verröchelt der Held, ein Architekt, in den Trümmern seines Autos und erzählt im Rückblick auf sein Leben vom Glück und Unglück mit einer melancholischen Geliebten. Im anderen findet ein sich eiskalt wähnender durchgeknallter Ermittler in einer Gangsterbraut mit traurigen Augen sein Verderben.

“Sie battle eine sehr unglückliche Frau”, hat Piccoli im SPIEGEL-Gespräch von 2011 über die 1982 gestorbene Romy Schneider gesagt. “Das spürt man auch in ihren Filmen, an der Artwork, wie sie redet, wie sie blickt. Sie wusste, wie man lacht, aber das reichte nicht. Ich habe sie sehr gemocht.”

Als Theaterschauspieler arbeitete Michel Piccoli mit tollen Schauspielerinnen wie Bulle Ogier oder Jane Birkin und mit vielen großen Regisseuren. Von 1967 an battle er eine Weile lang Mitglied der berühmten Pariser Compagnie von Madeleine Renaud und Jean-Louis Barrault, danach spielte er in oft bejubelten Inszenierungen von Luc Bondy, Patrice Chéreau und Robert Wilson. Als Peter Brook ihn Anfang der Nullerjahre als Shakespeares König Lear auftreten ließ, berichtete eine Pariser Tageszeitung über die Aufführung unter der Überschrift “Le Roi Piccoli”.

Auf der Leinwand und auf der Bühne berühmt geworden ist Michel Piccoli aber gerade nicht als Mann von königlichen Geblüt oder als Aristokrat, sondern als glänzender, ruchloser, in aller Verkommenheit unbedingt anbetungswürdiger Vertreter der Bourgeoisie. “Er battle sich für nichts zu schade”, hat der Filmkritiker Michael Althen einmal Piccolis Mut zur Entblößung und Verwandlung gepriesen. “Man wäre versucht zu sagen, dass er dabei immer sein Gesicht gewahrt hat, wenn man nicht wüsste, dass er vielleicht nichts so sehr wollte wie sein Gesicht zu verlieren.”

Alles Heroische battle Piccoli fremd. Auch deshalb fühlten sich viele Zuschauerinnen und Zuschauern von seinen oft nervösen, nie ganz vom Zweifel befreiten Figuren so heftig berührt – und konnten nicht anders, als die magische Lässigkeit und den famosen Intercourse Attraction dieses Mannes zu bewundern. 

Icon: Der Spiegel



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