Krimi im Schwarzwald: Mysteriöses Schreiben aufgetaucht – „Beim ersten Satz lief es mir eiskalt den Rücken runter“

Krimi im Schwarzwald: Mysteriöses Schreiben aufgetaucht - „Beim ersten Satz lief es mir eiskalt den Rücken runter“


Yves R. befindet sich weiter auf der Flucht, nachdem er in Oppenau im Schwarzwald am Sonntag vier Polizisten entwaffnete. Nun ist ein mysteriöses Schreiben aufgetaucht.

  • Der 31-jährige Yves R.* aus der Schwarzwald-Gemeinde Oppenau hat am Sonntag vier Polizisten entwaffnet und befindet sich seitdem auf der Flucht.
  • Die Polizei schätzt den Mann als gefährlich ein und warnt die Bevölkerung vor ihm.
  • Ein Profiler hat nun ein mysteriöses Schreiben analysiert, das der Flüchtige kurz vor seinem Verschwinden aufsetzte (siehe Erstmeldung vom 15. Juli).
  • Alle bisherigen Nachrichten zu dem flüchtigen Mann aus Oppenau* lesen Sie in unserem vorherigen Information-Ticker.

Replace vom 15. Juli, 13.11 Uhr: Nun hat sich die Mutter des flüchtigen Yves R. aus Oppenau öffentlich geäußert. Sie beteuerte gegenüber dem Portal baden on-line, dass ihr Sohn ungefährlich sei. „Mein Sohn ist kein gewalttätiger Mensch“, sagte sie. Weiter erzählte die Mutter, dass sie selbst zu den aktuellen Geschehnissen nur Informationen aus Web und Fernsehen und keinerlei Kontakt zu ihrem Sohn habe. Auch von der Polizei habe sie nichts erfahren, sie sei lediglich von zwei Kommissaren befragt worden.

Oppenau/Schwarzwald: Mutter verrät Particulars aus dem Leben von Yves R.

Wie das Leben des 31-Jährigen aussah, erzählte die Mutter dem Portal baden on-line ebenfalls. „Er hat sich sehr in den Wald zurückgezogen, ab und zu schreiben wir miteinander“, sagte sie. Erst am vergangenen Mittwoch habe sie sich mit ihrem Sohn auf dem Wochenmarkt für einen Kaffee getroffen. Ansonsten habe sie ihn aber nur selten gesehen. Bei dem letzten Treffen sei er aber „völlig regular“ gewesen, „überhaupt nicht aufgekratzt oder so was“. Zudem erzählte die Mutter von Yves R., dass der leibliche Vater ihres Sohnes 2018 verstorben sei. 

Die Frau denkt, dass ihr Sohn während seiner Haftstrafe „furchtbare Dinge“ im Gefängnis erlebt habe. Darüber habe er aber bislang nie sprechen wollen. „Er sagt nur: Eines Tages werde ich dir das mal erzählen“, so die Mutter. Angeblich habe er seine Schreinerausbildung während der Haftstrafte als einer der Jahrgangsbesten abgeschlossen. 

Yves R. soll im Gefängnis eine Schreinerausbildung gemacht haben. Trotzdem hat er den Weg zurück ins normale Leben bislang offenbar nicht gefunden. 

© Bildkombo: dpa/Polizei

Oppenau/Schwarzwald: Yves R. sich laut seiner Mutter als „Waldläufer“ bezeichnet

Doch Versuche, wieder auf den rechten Weg zu gelangen, schlugen offenbar trotzdem fehl. Als er im vergangenen Jahr dann seine Wohnung verlor, habe Yves R. zunächst bei seiner Tante gelebt. Schließlich sei er jedoch in den Wald gezogen. „Er wollte raus in die Natur, die Freiheit erleben“, erklärte seine Mutter gegenüber baden on-line. Von sich selbst habe ihr Sohn als „Waldläufer“ gesprochen. 

In der Hütte, an der sich am vergangenen Wochenende die gefährlichen Szenen mit den vier Polizisten ereigneten, habe Rausch gewohnt und dort von selbst angebauten Lebensmitteln gelebt. Er habe aus Holz Zwerge und Stäcke geschnitzt, die er verkaufen wollte, sagte seine Mutter weiter und betont: „Natürlich hat er dann ein Messer dabei.“ Die Frau hofft nun, dass ihr Sohn trotz der jüngsten Ereignisse eine Probability bekommt, „zurück ins normale Leben zu finden“.

Oppenau/Schwarzwald: Yves R. auch nach drei Tagen noch auf der Flucht

Erstmeldung vom 15. Juli 2020: 

Oppenau – Er bedrohte und entwaffnete vier Polizisten und flüchtete anschließend in den Wald und ist seitdem verschwunden: Von Yves R. fehlt auch nach drei Tagen intensiver Suche immer noch jede Spur. Am Mittwochmorgen hat die Polizei weiter mit einem Großaufgebot nach dem schwer bewaffneten 31-Jährigen aus Oppenau gesucht. 

Oppenau/Schwarzwald: Wirres Schreiben von Yves R. in Kneipe aufgetaucht

Profiler Mark T. Hofmann hat unterdessen ein Schreiben analysiert, dass Yves R. laut einem Bericht von baden on-line offenbar kurz vor seinem Verschwinden aufsetzte und in einer Kneipe im Ort hinterließ. Der Titel des Schriftstücks: „Der Ruf der Wildnis“. „Als ich den ersten Satz des Schreibens gelesen habe, lief es mir eiskalt den Rücken herunter“, sagte Profiler Hofmann im Gespräch mit Bild.de. Der Grund: Man erkenne sofort nicht nur Parallelen, sondern quick eine Übereinstimmung mit dem „Unabomber“-Manifest.

„Das ist ein Bombenleger aus den USA, der zwischen 1978 und 1995 16 Briefbomben verschickt hat“, erklärte Hofmann. Der „Unabomber“ habe dadurch viele Menschen getötet und verletzt. Und nicht nur das Schreiben, auch die Lebensumstände sind ähnlich zum Flüchtigen
 aus Oppenau*. Auch der „Unabomber“ habe in einer Hütte gelebt, vollkommen abgeschieden, erzählte Hofmann. „Und er hat ein Manifest damals geschrieben, in dem er die technologische Zivilisation kritisiert und was alles in der Menschheit schief läuft“, berichtete der Profiler weiter. 

Oppenau/Schwarzwald: Textual content des Geflüchteten kritisiert zivilisierte Menschen

Die ersten Sätze aus dem Schreiben von Yves R. zitierte Hofmann wie folgt: „Der kultivierte Mensch – der zivilisierte Mensch unterscheidet sich vom „wilden Menschen“, von Tieren, vor allem durch seine Gabe, völlig ignorant zu sein.“ Der 31-Jährige sehe sich als etwas anderes, interpretierte Hofmann den Textual content. „Er spricht über die Zivilisation, als wäre er gar kein Teil davon. Als wäre er ein quick Außerirdischer, der von außen da drauf schaut. Er sieht sich als jemand externes. Als jemand, der nicht dazu gehört und auch nicht dazu gehören will.“ 

Es gebe aber einen wichtigen Unterschied zum „Unabomber“-Manifest: „Der Bombenleger hat gedroht. Er hat gesagt, man brauche Gewalt um die Gesellschaft auf den richtigen Weg zu bringen“, sagte Hofmann. Das Schreiben von Yves R. enthalte hingegen keine Drohung. „Das ist im Grunde eine relativ harmlose Gesellschaftskritik“, lautet das Fazit des Profilers. „Trotzdem sind die Parallelen zu dem „Unabomber“-Fall bezeichnend“, betont er. Die ersten Sätze würden dem Manifest dieses Briefbomben-Versenders so ähneln, dass sich Hofmann kaum vorstellen kann, dass Yves R. den Fall – oder die davon handelnde Netflix-Serie – nicht kennt. Der Profiler hält es für möglich, dass der „Unabomber“ Yves R. als Vorbild diente.

Oppenau/Schwarzwald: Polizei stellt sich auf eine lange Suche nach dem 31-Jährigen ein

Die Hoffnung auf einen baldigen Erfolg bei der Fahndung nach Yves R. scheint bei der Polizei unterdessen nachzulassen. „Es wird vermutlich eine lange Suche“, stellte Offenburgs Polizeipräsident Reinhard Renter noch am Dienstag in Aussicht. „Der Wald ist sein Wohnzimmer“, fügte er als Erklärung hinzu. Seit vergangenem Jahr ist der Gesuchte ohne Wohnsitz. Das mache es für die Polizei vor Ort sei schwierig, ihn zu finden. Der Wald um Oppenau sei 8,6 Quadratkilometer groß. „Das ist sehr unwegsames Gelände. Die Polizisten haben ja nicht nur einen Rucksack dabei. Wir sprechen hier über eine Ausrüstung von 20 Kilo, beim SEK sind es sogar 40. Die Beamten gehen damit ja nicht auf Wanderwegen spazieren, sondern überwinden Gelände mit Höhenunterschieden von 300 Metern“, verdeutlichte Renter weiter.

Offenburgs Polizeipräsident Reinhard Renter informiert über die aktuelle Lage in Oppenau.

© dpa / Phi lipp von Ditfurth

Der zuständige Oberstaatsanwalt Herwig Schäfer äußerte sich am Dienstag ebenfalls zu der Lage: „Wir wissen nicht, was den Schuldigen bewogen hat, so zu handeln“, sagte er. Laut Schäfer hat der Mann eine „große Affinität zu Waffen“. Der Oberstaatsanwalt bezeichnete den 31-Jährigen gar als „Waffennarr“. In der Schwarzwald-Gemeinde sei er bekannt und erscheine als etwas „seltsame Individual“. Er sehe sich als „Waldläufer“, der intestine allein in der Natur zurechtkomme. Die Ermittler nehmen an, dass sich der Gesuchte noch in der Area Oppenau aufhält. „Er lebt im Wald, er fühlt sich hier sicher“, sagte Polizeipräsident Renter.

Übrigens: Eine detaillierte Chronologie der Ereignisse in Oppenau finden Sie ebenfalls bei Merkur.de*.  (cia/dpa) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.



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