Kinderarzt über Kawasaki ähnliches Syndrom: “Eltern müssen jetzt wirklich nicht in Panik verfallen” – DER SPIEGEL – Gesundheit

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Kinderarzt über Kawasaki ähnliches Syndrom:


Zunächst schien es so, als seien Kinder vom neuartigen Coronavirus kaum betroffen. Selbst wenn sie sich anstecken sollten, hätten sie kaum Symptome – oder nur sehr milde. Inzwischen gibt es jedoch einzelne Fälle, in denen Kinder doch schwerer erkranken. Insbesondere beobachten Kinderärztinnen und -ärzte in verschiedenen Ländern ein neuartiges sogenanntes Hyperinflammationssyndrom, das anscheinend mit dem Virus im Zusammenhang steht. Die EU-Seuchenschutzbehörde ECDC berichtet von 230 möglichen Fällen in der EU und Großbritannien, zwei Kinder sind demnach gestorben.

Was dahinter steckt und ob sich dadurch die Risikolage für Kinder ändert, erklärt der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie, Johannes Hübner, im Interview.

SPIEGEL: Herr Hübner, es mehren sich Berichte darüber, dass Kinder im Zusammenhang mit dem Coronavirus an etwas erkranken können, das dem Kawasaki-Syndrom ähnelt. Ist das Virus für Kinder doch ein viel größeres Risiko als bisher gedacht?

Hübner: Wir reden über bisher sehr, sehr seltene Fälle. Das ändert nichts an der bisherigen Einschätzung, dass Kinder ein generell sehr niedriges Risiko bezüglich Covid-19 haben. Eltern müssen jetzt wirklich nicht in Panik verfallen

SPIEGEL: Können Sie kurz beschreiben, was das Kawasaki-Syndrom ist?

Hübner: Es handelt sich um eine überschießende Entzündungsreaktion. Die Kinder haben hohes Fieber, entzündete Augen, oft einen Hautausschlag und geschwollene Lymphknoten. Wer Kinder hat, weiß: Diese Beschwerden treten sehr oft auch auf, wenn Kinder einen banalen viralen Infekt haben. Beim Kawasaki-Syndrom ist das Fieber allerdings meist sehr hoch und hält lange an. In manchen Fällen erweitern sich die Herzkranzgefäße, das muss man dann genau beobachten. Professional Jahr gibt es etwa 200 bis 300 Fälle in Deutschland. Es ist keine Krankheit, die Kinderärzten große Sorgen bereitet, denn die Kinder überstehen sie in den allermeisten Fällen sehr intestine.

SPIEGEL: Was löst die Krankheit aus?

Hübner: Das ist nicht abschließend geklärt. Man nimmt an, dass es infolge einer Virusinfektion entstehen kann, wenn das Immunsystem überreagiert. Coronaviren an sich sind ja schon länger bekannt, sie stecken oft hinter Erkältungen. Sie wurden bereits vor Covid-19 als möglicher Auslöser des Kawasaki-Syndroms diskutiert – aber das ist weder bewiesen noch widerlegt.

SPIEGEL: Wie unterscheiden sich die aktuellen Fälle des sogenannten Hyperinflammationssyndroms vom klassischen Kawasaki-Syndrom?

Hübner: Zum einen gibt es einen geografischen Unterschied. Das Kawasaki-Syndrom tritt vor allem in Ostasien auf. Die bisher intestine beschriebenen Fälle des neuen Hyperinflammationssyndroms wurden jetzt aus Europa berichtet. Zum anderen ist eine andere Altersgruppe betroffen. Am Kawasaki-Syndrom erkranken in erster Linie Kinder zwischen zwei und fünf Jahren. Jetzt sind Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 15 betroffen.

SPIEGEL: Gibt es bekannte Risikofaktoren für die Erkrankung?

Hübner: Eine Fallserie aus England zum Hyperinflammationssyndrom zeigt, dass dort vor allem Kinder mit afrokaribischer Abstammung betroffen sind. Aber ob das ein Risikofaktor ist, kann man aufgrund der wenigen Fälle bisher noch nicht sagen.

SPIEGEL: Wie viele Fälle des Hyperinflammationssyndroms gibt es bisher in Deutschland?

Hübner: Bisher sind es maximal eine Handvoll Fälle. Ich kann Eltern nur raten, sich keine großen Sorgen zu machen. Falls Ihr Form hohes Fieber hat und krank ist, gehen Sie zum Kinderarzt. Wir kennen das Krankheitsbild und können die Kinder diagnostizieren und behandeln, falls dies nötig sein sollte.

Icon: Der Spiegel



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