Insolventer Dax-Konzern: Ermittler durchsuchen erneut Büros bei Wirecard – DER SPIEGEL – Wirtschaft

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Insolventer Dax-Konzern: Ermittler durchsuchen erneut Büros bei Wirecard - DER SPIEGEL - Wirtschaft


Bei Wirecard sind erneut die Ermittler angerückt. Seit dem Morgen würden fünf Objekte von Wirecard durchsucht, darunter der Firmensitz in Aschheim bei München und zwei Gebäude in Österreich, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Zwölf Staatsanwälte sowie 33 Polizisten und weitere IT-Fachleute seien mit österreichischen Kollegen vor Ort. Es gehe in erster Linie um die Vorwürfe, die Grundlage der Ermittlungen gegen Ex-Vorstandschef Markus Braun seien – additionally um Bilanzfälschung und Marktmanipulation in mehreren Fällen. Braun ist Österreicher, ebenso der womöglich abgetauchte Vorstand Jan Marsalek.

Die Staatsanwaltschaft spricht bei der Durchsuchung von intensiver Vorbereitung, die “angesichts des zu erwartenden Umfangs der sicherzustellenden Beweismittel” nötig gewesen sei. “Aus taktischen Gründen” will die Ermittlungsbehörde derzeit keine darüber hinausgehenden Informationen geben. Die “Süddeutsche Zeitung” schreibt unter Berufung auf Brauns Anwalt Alfred Dierlamm, dass auch das Haus seines Mandanten in Wien durchsucht werde.

Braun nachträglich gekündigt

Wirecard steckt in einem milliardenschweren Bilanzskandal um mutmaßliche Luftbuchungen in Höhe von 1,9 Milliarden Euro. Die Ermittler vermuten, dass Braun hierfür mitverantwortlich sein könnte. Er wurde laut Wirecard inzwischen nachträglich fristlos entlassen: Der Anstellungsvertrag des langjährigen Konzernchefs sei “mit sofortiger Wirkung” außerordentlich gekündigt worden, hieß es. Braun warfare bereits vor knapp zwei Wochen zurückgetreten, doch enthalten Arbeitsverträge von Spitzenmanagern üblicherweise Regeln für Abfindungen.

Der Firmensitz von Wirecard warfare bereits am 5. Juni durchsucht worden. Dabei warfare es laut Staatsanwaltschaft um zwei weitere klar abgrenzbare Vorwürfe der Marktmanipulation gegen die Vorstände von Wirecard gegangen. Sie werden verdächtigt, aufgrund von Pflichtmitteilungen vom 12. März und 22. April möglicherweise irreführende Signale für den Börsenpreis der Aktien gegeben zu haben.

Ermittlungen auch wegen Betrugsverdacht?

Die Münchner Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen gegen den Wirecard-Vorstand zudem offenbar ausgeweitet. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge wird neben Bilanzfälschung und Marktmanipulation inzwischen auch wegen Betrugsverdachts ermittelt, wie es unter Berufung auf eine Behördensprecherin heißt.

Die Ermittler gehen demnach neben Braun auch gegen den bis vor Kurzem für das operative Geschäft zuständigen Marsalek vor – sowie gegen die amtierenden Vorstandsmitglieder Alexander von Knoop (Finanzen) und Susanne Steidl (Produkte). Eine Bestätigung für diese Angabe gibt es bislang nicht.

Der Dax-Konzern selbst wird derweil voraussichtlich in Einzelteilen verkauft. Der vorläufige Insolvenzverwalter Michael Jaffé teilte mit, dass sich bereits “zahlreiche Interessenten weltweit für den Erwerb von Geschäftsbereichen gemeldet” hätten.

Anleger sauer auf Prüfer von EY

Der vorläufige Gläubigerausschuss hat demnach bereits grünes Licht für die internationale Suche nach Investoren unter Einschaltung von Investmentbanken gegeben. Der Betrieb bei Wirecard soll nach Möglichkeit nicht unterbrochen oder eingestellt werden: “Vordringlichstes Ziel im vorläufigen Insolvenzverfahren ist es, den Geschäftsbetrieb der Konzerngesellschaften zu stabilisieren.” Bei Wirecard arbeiten weltweit etwa 5800 Menschen.

Der Aufsichtsrat und die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY, die die Jahresbilanzen von Wirecard testierte, sehen sich längst mit Klagen und Klagedrohungen wütender Anleger konfrontiert. Unangenehmen Fragen im Zusammenhang mit dem Wirecard-Skandal muss sich im Lauf des Tages auch Felix Hufeld, der Präsident der Finanzaufsicht Bafin stellen.

Bafin-Chef Hufeld unter Druck

Hufeld soll dem Finanzausschuss des Bundestags erklären, warum die mutmaßlichen Scheingeschäfte bei Wirecard unentdeckt blieben. So hatte die britische “Monetary Occasions” seit 2015 immer wieder über Merkwürdigkeiten und Unregelmäßigkeiten bei Wirecard berichtet.

Nach derzeitigem Stand hatten Wirecard-Supervisor einen beträchtlichen Teil der Umsätze und Gewinne des Unternehmens in Südostasien und im Mittleren Osten frei erfunden. Die mutmaßlichen Scheingeschäfte wurden als Umsätze und Gewinne mit Subunternehmern verbucht, die angeblich im Auftrag von Wirecard Zahlungen abwickelten.

Anfang vergangener Woche hatte Wirecard schließlich eingeräumt, dass insgesamt 1,9 Milliarden Euro Guthaben auf südostasiatischen Treuhandkonten mit “überwiegender Wahrscheinlichkeit” nicht existieren. Der Aktienkurs stürzte ab, das Unternehmen musste Insolvenz anmelden.



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